#71 Warum macht uns „Ich schaff das schon“ krank, Doris Linzner?
Shownotes
Warum macht Mental Load krank?
Kinder, Job, Beziehung, Termine – und im Kopf sind ständig 27 Tabs geöffnet. Trotzdem sagen wir: „Irgendwie geht es schon.“ Aber was, wenn genau dieser Satz zum Gesundheitsrisiko wird?
Doris Linzner ist Unternehmensberaterin, psychosoziale Beraterin und Gründerin von OHANA, einem digitalen Dorf für Eltern. In dieser Folge sprechen wir darüber, warum Gesundheit nicht nur bei Ernährung und Bewegung beginnt, sondern auch in unseren Beziehungen und Gemeinschaften.
Du erfährst:
- woran du erkennst, dass aus Belastung echte Erschöpfung wird
- warum Mental Load so viel Kraft kostet
- was gesunde Beziehungen ausmacht
- weshalb Teilzeit die Belastung oft nur von bezahlter zu unbezahlter Arbeit verschiebt
- wie aus Müttern Verbündete statt Konkurrentinnen werden
- und warum wir nicht warten sollten, bis der Körper die Reißleine zieht
Eine Folge für alle, die viel tragen – und nicht länger alles allein tragen wollen.
Diese Folge enthält bezahlte Inhalte.
MACH ES!gesund versteht sich ausschließlich als Plattform zur allgemeinen Information. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der getätigten Aussagen sind die jeweils eingeladenen Expert:innen verantwortlich. Die Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen.
Transkript anzeigen
00:00:02: Mach es gesund.
00:00:04: Dein Podcast für ganzheitliche Gesundheit Heute als dein Host Susanna Winkelhofer.
00:00:16: Es gibt da diesen einen Satz, der immer wieder irgendwie in unserem Kopf herum geistert Ich schaff das schon.
00:00:24: Wir sagen Ihnen wenn die Kinder uns brauchen Wenn der Job alles fordert Wenn die Beziehung gerade schwierig ist oder wenn wir niemanden zur Last fallen wollen, wenn irgendwie gerade alles extrem schwierig ist.
00:00:37: Und irgendwann merken wir alleine stark zu sein – das kostet unglaublich viel Kraft!
00:00:44: Meine heutige Gesprächspartnerin ist überzeugt, Gesundheit beginnt nicht erst bei Ernährung und Bewegung.
00:00:51: sie beginnt dort wo Menschen einander tragen in Beziehungen, Familien, Teams, Gemeinschaften ganz allgemein.
00:01:01: Als Unternehmensberaterin begleitet Doris Lindsner Führungskräfte und Teams im Gesundheitswesen.
00:01:07: Als Beziehungscoach und psychosoziale Beraterin unterstützt sie Familien in herausfordernden Lebensphasen.
00:01:15: Mit ihrem Projekt OHANA hat sie ein digitales Mamadorf geschaffen, und erinnert uns an eine uralte Weisheit.
00:01:26: Um ein Kind groß zu ziehen braucht es ein ganzes Dorf!
00:01:30: Herzlich willkommen, liebe Dorores.
00:01:32: Hallo, liebe Susanna!
00:01:34: Ich freue mich auch sehr, dass ich heute da sein darf.
00:01:36: Hast du heute schon mal das Gefühl gehabt?
00:01:38: Ah ja, irgendwie geht's schon.
00:01:40: oder hast Du heute schon Hilfe angenommen?
00:01:43: Ja, man hat tatsächlich die Frage gestellt.
00:01:45: Irgendwie geht es schon nämlich bei den Terminen davor weil mir gefragt habe... Macht es jetzt eigentlich Sinn, vor dem Podcast-Interview vorher noch die Termine reinzupacken?
00:01:54: Oder eigentlich wärst du glüger zu verschieben.
00:01:57: Und du hast das dann trotzdem gemacht oder... Okay da sind wir ja schon mit drin im Thema.
00:02:03: In
00:02:03: diesem
00:02:03: irgendwie geht's schon!
00:02:04: Aber vorher startet man nur mit unserem Help Check über ein paar kurze Fragen an dich.
00:02:18: Was hast Du heute für Dich selbst getan?
00:02:21: Die Zeitung gelesen, nachdem die Kinder aus dem Haus gegangen sind.
00:02:24: Deine Kinder sind vier, sieben und zehn oder?
00:02:26: Also die brauchen die wirklich noch sehr.
00:02:28: aber irgendwann sind es auch außer Haus mittlerweile.
00:02:31: Ja voll!
00:02:31: Und das sind wir da diese zehn-fünfzehn Minuten am morgens an für mich immer Gold wert.
00:02:37: Dein schnellster Weg um runterzukommen...
00:02:40: Der ganz schnellste Weg ist mich spannenderweise in den Urinsessel meiner Kinder zu setzen.
00:02:48: kleine Kuschelige Rückzugsraum und sonst einfach rausgehen oder einmal gute Musik einschalten ist was, was mir sehr hilft um dazu kommen.
00:02:57: Kann
00:02:57: ich es sehr gut verstehen!
00:02:59: Welches Wort beschreibt für dich Gesundheit am besten?
00:03:03: Gesundheit beschreibt Für mich am Besten also nicht nur dieses klassische sich wohl fühlen.
00:03:09: das ist natürlich auch ganz wichtig.
00:03:10: für mich gehört zur Gesundheit auch dazu dass man gesundes sozial leben hat und florierende soziale Beziehungen und auch sich Energie geladen fühlen, also so mit Energie durch den Tag oder durchs Leben zu gehen.
00:03:24: Was war deine bisher wichtigste Lektion als Mama?
00:03:28: Meine wichtigste Election als Mama war es anzuerkennen dass viele Situationen die wir als herausfordernd mit unseren Kindern empfinden weniger an der Situation an sich liegen als an den Erwartungen oder an den Ansprüchen in dem Moment eigentlich hätten oder die Vorstellung, wie es sein sollte im Idealfall.
00:03:47: Das
00:03:47: heißt wenn man's von diesem Perfektionismus lösen wird schon mal automatisch leichter?
00:03:51: Genau!
00:03:52: Was nicht so einfach ist.
00:03:53: aber vielleicht kommen wir da später noch drauf.
00:03:55: Welche Gewohnheit schützt deine Energie?
00:03:58: Welche gewohnheitsschützten meine Energie?
00:04:00: Schlaf.
00:04:02: Definitiv also ich glaube das ist für mich ein ganz zentrales
00:04:06: Element.
00:04:06: Ist das nur
00:04:06: die Basis
00:04:07: oder... Ja
00:04:08: voll wirklich also gut zu schlafen Ich koche sehr gerne, gut zu kochen und das Essen auch schön anzurichten.
00:04:16: Und lesen.
00:04:18: Kurz zur Schlaf.
00:04:19: hast du da irgendeinen Heck?
00:04:20: Damit du genau zu diesem guten Schlaf kommst?
00:04:22: mit kleinen Kindern ist es ja jetzt keine Selbstverständlichkeit oder?
00:04:27: Ja also zum einen schlafen die... sind die Kinder schon ein bisschen größer, also aus der ganz Anfangszeit sind wir natürlich schon raus.
00:04:36: Ich glaube dass man selber für sich Rituale finden muss wie man am Abend schon gut abstalten kann damit man schon möglichst entspannt ins Bett geht und nicht dann im Bett erst anfängt den ganzen Tag Revue passieren zu lassen.
00:04:49: Wann hast du zuletzt Nein gesagt?
00:04:53: Gestern weil ich einen Termin für heute Abend abgesagt habe.
00:04:58: Also, ich wäre auch von der Veranstaltung gewesen heute Abend und hab den schweren Herzens abgesagt.
00:05:03: Da folgt man nicht immer leicht, aber es ist manchmal wichtig die Entscheidung.
00:05:05: Drei Menschen, die zu deinem persönlichen Dorf gehören zum Dorf kommen, eh später noch zu sprechen, aber verrat uns das mal!
00:05:14: Mein persönliches Dorf... Die drei Menschen, Meine Mama, die im Alltag eine große Unterstützung führen sie es.
00:05:24: Und die dritte Person, da würde ich drei Freundinnen jetzt fusionieren, also einfach so diese nahen Vertrauten, die ganz wichtig sind.
00:05:33: Wofür möchtest du später mal in Erinnerung bleiben?
00:05:36: Meinen Kindern möchte in Erinnernung bleiben als die Mama, der für sie da war, aber uns vielleicht schwierig war oder wenn Sie Mist gebaut haben und die sie bedingungslos geliebt hat in dem wie sie sind.
00:05:49: Für die Menschen allgemein möchte ich in Erinnerung bleiben, als sie darauf geachtet hat dass man wieder mehr Kontakt geht miteinander und den Austausch miteinander geht ohne jetzt unmittelbar zu rivalisieren sondern auch wirklich ehrlich und offen.
00:06:05: Und da wieder sich Verbündete zu suchen oder Vertraute zu suchen.
00:06:08: Weil es kommt dann oft zu kurz?
00:06:10: Oder wenn man eh schon so überlassen ist, dann spricht man manche Dinge vielleicht lieber nicht an.
00:06:15: Genau!
00:06:15: Ich glaube das ist einfach ein Zeichen der Zeit hat zu Tage dieser Leistungsgesellschaft, in der wir leben.
00:06:32: Deurer Stelle jetzt mal vor ab morgen sind alle Menschen emotional gesund.
00:06:38: Woran wird man das als erstes merken?
00:06:40: Was wäre das für eine Welt?
00:06:43: Ich glaube es wäre eine sehr viel lebenswertere Welt weil wir alle vielleicht ein Stück weit mehr Nachsicht und einen wohlvollen unseren Gegenübern mitbringen.
00:06:56: im globalen Welt geschehen, um einiges ruhiger und konfliktfreier zu gehen.
00:07:01: Weil man vielleicht manchmal einfach gar nicht das Bedürfnis hätte dass manche Konflikte ausgetragen werden sollen und weil man sie vorher im Gespräch oder dialogisch lösen kann.
00:07:09: Das heißt, die Zeitung, die du heute Morgen gelesen hast.
00:07:12: Da wären ein bisschen andere Schlagzeilen drin, oder?
00:07:14: Definitiv!
00:07:15: Das war jetzt mal die Wunschvorstellung... Der Alltag ist eher wir sind unter Druck.
00:07:20: Du hast schon die Leistungsgesellschaft angesprochen.
00:07:23: Wir sind mehrfach Belastungen ausgesetzt und trotzdem denken uns aber oft, ja irgendwie geht's schon, ich schaff das schon, es ist ja letztmal auch gegangen Es muss gehen.
00:07:33: Aber woran erkennen wir denn?
00:07:36: ob diese Belastung, dieser Druck schon ein gesundheitliches Risiko für uns ist oder ob das noch tragbar ist.
00:07:44: Genau also ich glaube zum einen ist es ganz wichtig anzuerkennen dass jeder Mensch ein anderes Pensum an Belastbarkeit trägt oder tragen kann und dann sind aus meiner Sicht drei Dinge zentral wo man das vielleicht erkennen kann.
00:08:01: Das eine ist eben eher Schlaf.
00:08:03: Ich habe es schon vorher erwähnt, dass ich das ganz zentrale achte.
00:08:07: Dann sind es manchmal körperliche Beschwerden die sich vielleicht einschleichen Verspannungen, die man nicht losbringt, obwohl man vielleicht schon in der Massage war.
00:08:18: und das dritte ist auch ein Blick zu werfen auf die sozialen Kontakte oder auf die Sozialen Beziehungen.
00:08:24: wie viel Energie habe ich denn eigentlich überhaupt noch?
00:08:26: Dass ich das miteinander pflege?
00:08:28: oder wir schatzen in der eigenen Partnerschaft aus zum Beispiel
00:08:31: Das heißt, du siehst jetzt schon die frühen Anzeichen angesprochen.
00:08:34: Verspannungen gibt es da noch.
00:08:35: was?
00:08:36: Wo man ein bisschen aufhören sollte wenn man das merkt?
00:08:39: Wenn man zum Beispiel morgens aufwacht eine ganze Nacht geschlafen hat und eigentlich trotzdem noch immer erledigt ist oder K.O.
00:08:46: ist... ...oder auch so ein bissel der Blick.
00:08:49: Das ist zumindest etwas, was mir in den Beratungen auch oft auffällt, wann manche sagen rückwirkend hätte ich vielleicht für früher erkennen müssen wie kurz meine Reisleine schon war
00:08:59: diese Kreuzzeit ständig überreagieren vielleicht.
00:09:02: Das ist auch was, was man dann natürlich in der Erziehung mit den Kindern merkt.
00:09:05: wenn man selbst weniger reguliert ist oder weniger ausgeglichen ist, fällt das auch mit unseren Kindern viel schwieriger weil dir noch für mehr auf unser emotionales Feedback angewiesen sind.
00:09:17: Und irgendwie sind wir so programmiert dass wir uns denken ja ich muss es jetzt alleine schaffen und dieses um Hilfe bitten.
00:09:24: das ist uns irgendwie nicht angeboren.
00:09:26: Und dann entsteht fast so was wie eine Einsamkeit, obwohl man vielleicht umringt ist von Menschen.
00:09:31: Kindern, Partner Kollegen Nachbarn.
00:09:36: Aber ist genau diese Einsamkeit die wir vielleicht sogar nicht wirklich wahrnimmt weil im E-Menschen um sich sind ein bisschen ein unterschätztes Gesundheitsrisiko?
00:09:46: Definitiv also ich denke das ist ein ganz stark unterschätztes Gesundheitsrisik.
00:09:51: Ich habe den Eindruck dass es auch nochmal befeuert wird durch soziale Medien.
00:09:56: Also nicht nur das, dass man vielleicht durch den Konsum von Handyzeit mehr oder weniger Zeit mit Mitmenschen verbringt.
00:10:05: Das ist sicher ein Thema aber es ist meiner Meinung nach noch nicht das größte Risiko sondern dass wir uns viel stärker abgleichen mit diesen Vorbildern die wir im Internet sehen und wie ihr seht unseren Vierundzwanzig-Stunden-Tag mit all den Stolpersteinen und zum Teiler Misserfolgen, die der beinhaltet kuratierten Sekunden auf Social Media.
00:10:29: Da gibt es zwar jetzt zumindest schon diesen Trend, dass viele das auflösen und zeigen was wirklich hinter so einem Bild steckt oder hinter so ein Video und die Wahrheit ist einfach viel mehr als nur dieser eine Momente.
00:10:43: Ein Wort, das man auch immer wieder hört und auch immer auf Social media immer mehr vorkommt ist Mental Load.
00:10:50: Das ist dieses Wenn irgendwie die ganze Zeit im Kopf dieses Gedankenkarussell läuft und Kindergeburtstag muss ich nur organisieren, das E-Mail muss ich nicht beantworten.
00:11:02: Windeln vielleicht wieder einkaufen, den Termin muss ich noch absagen der muss ich gratulieren sind es eigentlich lauter vermeintliche Kleinigkeiten?
00:11:11: aber wenn das alles zusammenkommt was macht es mit uns?
00:11:14: Wenn da so viel im Kopf herumschwirt?
00:11:17: Es verursacht Stress Von Computer kennt man es, wenn zu viele Tabs offen sind.
00:11:22: Dann ist die Arbeitsauslastung noch mal so hoch, dass das nicht mehr gut funktioniert.
00:11:26: So Neustarten?
00:11:27: Genau und so ähnlich müssen wir das bei uns auch denken.
00:11:31: Es ist oft ungesehene Arbeit also diese Mendelot-Aufgaben, die da auf uns warten.
00:11:37: Und es ist auch ungedankt weil es niemand sieht außer, dass es trotzdem irgendwie fällig ist.
00:11:42: Das ist das was die Herausforderung ist.
00:11:44: Es gibt also Eisbergmodelle zum Beispiel... Was hängt alles dran, wenn ich ... fürs Kind ein Sanatztermin vereinbaren muss und das dann oft sehr viele ungesehene Aktivitäten dahinter, dass wir zum Beispiel im Kindergarten absagen müssen für den Tag des Essenabbestellen.
00:12:00: Und selbst wenn er es gleich nehmen muss oder diese ganzen Folge Ereignisse, die dann noch dranhängen.
00:12:08: Voll und kann es nur von mir reden?
00:12:11: Dann passiert das auch ganz einfach, dass wenn man so was vergisst rechtzeitig bescheid zugegen abzusagen, dass jemand irgendwie verärgert ist oder einem böse ist sozusagen.
00:12:21: Und dann finde ich es noch sensibler, wenn es schon so viel zu tun ist und dann vergiss man halt mal einen Punkt und dafür hat er kein Verständnis.
00:12:29: Genau!
00:12:30: Entweder wird man selbst mehr oder weniger angerührt oder man macht sich Vorwürfe, dass man dies übersehen hat, obwohl immer eher... an so viele andere Dinge gedacht hat und man sich da ruhig ein bisschen auf die Schulter klopfen könnte.
00:12:45: Oana
00:12:52: ist heuerianisch.
00:12:54: Manche kennen es aus dem Film Lilo & Stitch, wo die Lilo zu ihrer größeren Schwester sagt, oana means family and family means nobody's left behind or forgotten.
00:13:05: also Es soll niemand zurückgelassen werden und das geht um dies, dass man einen Raum schafft, wo man auch sein darf mit all diesen Themen.
00:13:14: Und wo ist mir das bewusst geworden?
00:13:17: Ich denke in in zwei verschiedenen Settings, also zum einen privat wo ich natürlich selbst als Mama von drei Kindern immer wieder merke wie wichtig das ist sich dieses Dorf auch zu bauen oder natürlich auch immer wieder merk okay da fehlt jetzt was.
00:13:34: Zum einen und zum anderen einer täglichen beruflichen Arbeit in den Workshops oder auch in den eins-zu-eins Beratungen wo ich merke ja ok und vielleicht braucht es auch einfach dann nur so diese Gemeinschaft und diesen Austausch mit den anderen Mamas oder mit den andern Menschen.
00:13:50: Was
00:13:50: macht es genau mit einem?
00:13:51: Weil die werden mir jetzt nicht meine Judus abnehmen, aber was bewirkt das?
00:13:56: Es bewirgt oder es schafft die Möglichkeit dass wir einordnen... Dass wir unsere alltäglichen Erlebnisse einordn können, dass wir ihnen einen Rahmen schaffen und dass wir merken okay das sind jetzt nicht individuelle Geschehnisse die da passieren sondern die passieren anderen Personen genauso Teil eines normalen Lebens.
00:14:16: Leben besteht ja nicht nur aus Höhen, sondern aus den Tiefen genauso und das bis zum gewissen Maß auch zu normalisieren, dass das halt einfach Teil unseres Werdegangs ist.
00:14:26: Das ist glaube ich ein ganz zentraler Teil.
00:14:28: und was mir natürlich ein zentrales Anliegen in Ohana ist da schon einen fachlichen Input zu geben um das gut einordnen zu können, was dort stattfindet oder... auch Impulse und Inspirationen mitzunehmen.
00:14:42: Wie könnte man es denn selbst vielleicht einmal anders probieren?
00:14:44: Du verbindest
00:14:45: daher analoge und digitale Formate, kannst du das mal kurz erklären wie das abläuft funktioniert?
00:14:51: Also grundsätzlich gesammelt ist ja alles in einer App also auf OHana wo man sich registrieren kann.
00:14:57: Und zum einen gibt es dann diese monatlichen Dorfkreise, die finden Online-Stadt.
00:15:02: Da sie auch wirklich mit zum Beispiel von weiter weg teilnehmen können oder wo die Kinder noch kleiner sind oder die zum Beispiel alleine erziehen sind, wo's jetzt abends nicht so leicht ist vorzukommen und da gibts auch regelmäßige Treffen vor Ort offline.
00:15:16: Vor ein paar Tagen hat zum Beispiel gerade das erste Kick auf Stadt gefunden, wo sich die ersten Mal was kennengelernt haben so auf Weib ein Stück weit spüren konnten, das war eine schöne Erfahrung für mich.
00:15:29: Was beurschest du da genau?
00:15:30: Was sind das auch für dich so aha-Momente?
00:15:33: Dass es ganz erleichtern ist wenn man mal andere Mütter trifft mit denen man sich nicht nur über die schönen Seiten austauschen kann sondern auch was ist herausfordernd?
00:15:43: oder wo die Punkte in denen man selbst unsicher ist oder wo man selbst immer wieder Fragen hat ob man dort auf dem richtigen Weg ist.
00:15:51: Wäre der ein Papa auch willkommen?
00:15:55: Das ist einfach für Eltern, quasi.
00:15:58: Grundsätzlich sprechen sich natürlich einmal
00:16:01: die Mütter
00:16:02: vor.
00:16:04: Und du begleitest ja Menschen in sehr herausfordernden Phasen zum Beispiel wenn der erste Kindergartentag ansteht aber auch bei Trennungen beim Wiedereinstieg in den Job im Trotz Alter.
00:16:18: Warum sind denn eigentlich gerade solche Übergänge im Familienalltag so schwierig?
00:16:23: Und worauf kommt es da an, dass man die gut bewältigt.
00:16:26: Ja, Übergänge haben immer die Herausforderung, dass die Karten neu gemischt werden und das das System ein bisschen durcheinandergerät und dass jeder oder jede wieder ihre Rolle neu erfinden und neu definieren muss auch zum Beispiel wenn eine Geschwisterkind zur Welt kommt.
00:16:39: Das ist also ganz typische Herausforderung der Übergang, der einfach einmal eine gewisse Zeit braucht bis jeder oder jeder wieder weiß wo sie hingehört.
00:16:47: Und es ist ja besonders wichtig auch, dass man diese Übergänge gut gestaltet.
00:16:53: Insbesondere auch für Kinder, weil Kinder nehmen sich aus diesen Erfahrungen von Übergängen in der Kindheit viel mit ins Erwachsenen leben.
00:17:01: also wie zuversichtlich oder wie mutig sie neue Situationen oder neue Herausforderungen gegenüberstehen hängt natürlich auch mit den Übergangserfahrungen als Kind zusammen und deswegen ist mir das auch persönlich ein großes Anliegen, das gut zu begleiten.
00:17:16: Und wenn man jetzt spezifisch die Trennung herausnimmt, was natürlich auch vieler betrifft.
00:17:21: Wie kann man da versuchen, dass genau so eine Art Übergang in einer neuen Situation?
00:17:26: Definitiv!
00:17:27: Dass das dann für Kinder und für einen selbst natürlich... nicht zum Trauma wird, sondern so wie du es jetzt schon gesagt hast auch die Möglichkeit zu sehen, wie man mit schwierigen Situationen gut umgehen kann.
00:17:38: Also
00:17:39: ich glaube dass eine Trennung für Erwachsene noch mal besonders herausfordernd ist wenn sie gemeinsam mit Kindern haben weil auf der einen Seite diese Beziehung auf der Paarebene auseinander bricht und man aber auf der Elternebene dennoch miteinander klarkommen sollte.
00:17:54: und da bestehen oft viele Verletzungen oder schwierige Situationen die wir halt bis zum gewissen Maß ein Stück weit überwenden muss, um für das Kind gut da sein zu können und das Kind auch vor Loyalitätskonflikten zu schützen.
00:18:10: Gleichzeitig können die Kinder aber auch aus meiner Sicht ganz wertvolle Erfahrungen machen, nämlich dass man nicht nur um der Tradition wegen in einer Beziehung bleiben muss, die sich nicht als gesund erweist sondern dass man auch einstehen darf für die eigenen Interessen und dass da vielleicht auch was Neues daraus wachsen kann.
00:18:29: Das ist ein ganz wichtiges Stichwort gesagt, gesunde Beziehung.
00:18:33: Woran erkenne ich denn?
00:18:35: Ob eine Beziehungen, egal ob es zum Partner zu den Eltern oder zu den Kindern, zu Arbeitskollegen und zu Freunden, ob das noch eine gesunde beziehung ist oder ob das schon dazu beiträgt dass sich noch mehr Belastung verspürt.
00:18:49: Ich glaube zum einen darf man sich immer mal fragen die Ort und Weise wie ich da jetzt in dieser Beziehion gerade agiere... Handle ich da jetzt frei von mir heraus?
00:19:01: Oder merke, bin ich da eigentlich angepasst nur um den Bild der anderen Person zu entsprechen.
00:19:06: Also ich glaube das ist schon mal ein ganz großer Indikator.
00:19:08: Du brauchst nicht
00:19:09: Energie oder?
00:19:10: Genau also muss ich mich verstellen und es ist oft sehr subtil wo viele Personen erst im Nachhinein entdecken wir.
00:19:16: eigentlich habe ich das schon über eine lange Zeit aufrechterhalten.
00:19:24: Der eine Punkt und der andere Punkt ist natürlich auch, dass man sich immer wieder mal die Frage stellen darf.
00:19:29: Ist die Beziehung einiger Massen in der Waage?
00:19:32: Also ist dieses Geben und Nehmen auf beiden Seiten gegeben?
00:19:35: Und ist das was Befruchtendes oder was Förderliches?
00:19:39: Oder ist sie eher sehr einseitig und kostet mich vielleicht auch Kraft?
00:19:43: Wenn man dann wirklich diese Erkenntnis zieht es kostet mehr Kraft als es einem gibt und man möchte aber trotzdem... Diese Beziehung, an dieser Beziehungen gerne irgendwie festhalten.
00:19:53: Was wäre dein Vorschlag?
00:19:54: Was kann man da für einen ersten Schritt machen um diese Situation aber zu ändern?
00:19:58: Also
00:19:58: ich glaube ganz großer Schritt ist immer wenn man eben selbst entscheidet einem ist die Beziehungs- was wert ist es eine eigene Entscheidung und dann hat man immer selbst die Wahlmöglichkeit diese Situation auch zu verändern.
00:20:13: viele Personen bleiben in einer beziehung haben aber das Gefühl sie müssen in einer bezielung bleiben oder in dieser beziehungen bleiben Und dadurch wird das Beziehungskonto erst recht belastet, weil sie das Gefühl haben es ist auswechslos.
00:20:24: Aber nein!
00:20:24: Es ist ja dennoch eine Entscheidung für die Beziehungen also quasi schon einen aufeinander zugehen und da auch immer wieder mal das Gespräch zu suchen nicht nur im Streit sondern im Idealfall auch in einer ruhigen Situation schon zuvor und zu sagen vielleicht nehmen wir uns einmal Zeit und reden nochmal drüber.
00:20:43: Das betrifft wahrscheinlich auch gerade viele Elternpaare.
00:20:47: Weil man da natürlich, wenn man Kinder hat, viele Herausforderungen meistern muss gemeinsam und manchmal ist es gemeinsam halt ein bisschen einseitig.
00:20:56: welche Rolle spielen denn da?
00:20:58: Die Väter auch in diesem Dorf?
00:21:00: und was kriegst du damit?
00:21:00: Wie du es dir gesagt hast, vor allem die Mütter fühlen sich angesprochen von deinem Projekt.
00:21:05: Was merkst du da?
00:21:06: oder sind das so die großen Themen, die angesprochen
00:21:10: werden?".
00:21:10: Also zum einen kann man natürlich insgesamt sagen, dass Kea-Arbeit also diese ganze Pflegearbeit oder diese Kühmearbeit schon noch ungleich verteilt ist in unserer Gesellschaft.
00:21:22: Und dennoch habe ich jetzt in den letzten Tagen nachgedacht, Hälfte der Personen, die zu mir in die Beratung kommen, Männer sind.
00:21:31: Und das ist was, was ich Ihnen schon hoch sehr hoch anrechnen, weil zu dieser Punkt Cyclebreaking oder dieses Aussteigen auch aus den vergangenen Geschlechterrollen... So wie
00:21:43: Sie es vielleicht selbst einfach auch als
00:21:46: Kind gesehen haben?
00:21:48: Ja, auch für die Männer große Herausforderung ist auch die vorgezeichneten Rollen nicht immer leicht.
00:21:53: Das ist schon etwas was ich schätze.
00:21:55: wenn sie Männer auseinandersetzen mit dem wie sich verhalten oder sich die Frage stellen kann ich nicht vielleicht was besser machen
00:22:03: Und auch vielleicht das Bewusstsein zu schärfen oder was mir so auffällt.
00:22:07: Meine Kinder sind jetzt schon größer, aber ich merke die Diskussion, die gerade sehr spannend ist dass viele sagen naja es trickert sich schon wenn der Mann sagt ja wo kann ich denn helfen?
00:22:18: und mir war das früher gar nicht so bewusst.
00:22:19: aber eigentlich ist es wirklich ein großer Unterschied ob jemand seine Hilfe anbietet oder ob jemand die Verantwortung einfach übernimmt weil das sind wie du es vorher auch schon erwähnt hast das sind die Kleinigkeiten die man oft nicht sieht aber die im Kopf herumschwirren.
00:22:33: Das alles im Blick zu haben, die einzelnen Termine zu koordinieren.
00:22:37: Aus einer Entscheidung eine andere wieder davon ableiten jemanden Bescheid zu geben das ist einfach so wahnsinnig viel und wenn man nicht nur in einem Kopf Platz haben muss sondern sich aufteilt auf zwei dann ist es ganz was anders oder braucht so oft auch einfach das Bewusstsein wie man das sieht?
00:22:55: Genau also ich glaube und das ist wahrscheinlich die Herausforderung dass wir das schon immer wieder mal einfordern der war, falls es nicht quasi von selbst passiert und da eben beiden Seiten eine Lernmöglichkeit bescheren muss.
00:23:11: Und dann gibt's ja noch ein Phänomen das eigentlich ganz schlimmes Mom-Shaming, glaube ich nennt man das auch Social Media also Mütter die andere Müttern kritisieren.
00:23:21: wie schaffen wir denn das?
00:23:23: Konkurrentinnen, die weiß jetzt auch nicht wie das nennen kann.
00:23:27: Verbündete werden!
00:23:28: Ich kenne es auch nur aus diesen... Wie heißt denn das bei meiner ersten Tochter?
00:23:31: War ja noch in solchen Baby-Krappelgruppen wo dann alles verglichen wird und irgendwie.. Das ist ein komisches Gefühl und dann kommt glaube ich genau das raus dieses
00:23:44: Momschämung.
00:23:45: Ja also ich glaub zum Teil findet es dadurch statt dass wir selbst unsicher sind.
00:23:53: unsicher sind, dahingehend ob das richtig ist wie wir es machen.
00:23:56: und indem wir uns abgrenzen die anderen Abwerten kann man sich für den ersten Blick vielleicht drüber helfen und einen eigenen Stand etwas... Schärfen oder klären.
00:24:07: Aber in Wirklichkeit drüber hinweg kommen wir nur, indem wir die anderen Mütter nicht das Konkurrentinnen empfinden und wahrnehmen sondern als Verbündete.
00:24:15: Die
00:24:16: hat
00:24:18: vielleicht einen anderen Lebensentwurf haben.
00:24:20: Im Endeffekt wird er bei Müttern alles kommentiert.
00:24:23: Früher zu arbeiten, später zu arbeiten beginnt wie viele Kinder fremdbetreut werden was auch immer es gibt immer etwas zu kommentieren und einfach dies stehenzulassen im Sinne von... Jeder macht es auf eine andere Art und Weise.
00:24:34: Und im Endeffekt geht's ja nicht darum, dass man das Zukunft in den Kindern
00:24:39: macht.".
00:24:40: Wenn du unsere Gesellschaft verändern könntest... Wie seht ihr so eine wirklich doorfreundliche familienfreundlichere Welt aus?
00:24:49: Was wäre das so?
00:24:51: Dein Wunsch, deiner Vision.
00:24:53: Ich glaube zum einen hätten Kinder an ganz anderen Plätzen und anderen Stellenwert in unserer Gesellschaft.
00:25:01: Man müsste nicht vor einem Restaurantbesuch überlegen ob man da jetzt mit Kindern hingehen kann oder ob man das ganze Ambiente stört.
00:25:09: Das wäre so der eine Punkt.
00:25:10: und dann glaube ich auch dass sie viel in der Arbeitsverteilung zwischen den Geschlechtern... im Ausmaß an Kinderbetreuung, die zur Verfügung steht.
00:25:21: Also ich glaube da müsste sich auf mehreren Ebenen was ändern.
00:25:24: Fangen wir bei einer kleinen Ebene an zum Beispiel beim Arbeitgeber oder der Arbeitgebertin?
00:25:29: Was würdest du denen gerne für ein Tipp geben wie sie in ihrem Team eine familienfreundliche Atmosphäre schaffen aber so dass wirklich alle im Boot sind auch jener keine Kinder haben.
00:25:40: Zum Beispiel den Mut zu haben, dass man Leitungs- oder Führungsverantwortung auch in Teilzeit leben kann.
00:25:46: Also ich glaube das ist ein zentraler Punkt und ich bin mir sicher, dass sehr viele Mütter definitiv kompetent werden aber es dann manchmal einfach am Stundenausmaß in der Anstellung schadet.
00:25:57: Oder dass es zum Beispiel normal ist, dass Mütte wenn das Kind noch sehr klein ist, das vielleicht einmal zu einem Termin mitnehmen?
00:26:05: Man schaut da nicht, dass man es anders organisiert.
00:26:07: Aber es kommt vor und das ist normal
00:26:10: wird oder?
00:26:11: Also hin- und wieder passiert es eh schon.
00:26:13: wenn es dann ein Mann macht, ist er der Held!
00:26:16: Bei uns
00:26:16: Frauen ist das noch nicht ganz so toll.
00:26:18: Du arbeitest ja auch mit Teams im Sozial- und Gesundheitswesen Und mit Führungskräften an Veränderungsprozessen.
00:26:26: Was können jetzt Unternehmen vom Prinzip Dorf lernen?
00:26:31: Und was hat die aber auch umgekehrt, die Arbeit mit Organisationen für die Arbeitmitmüttern gebracht.
00:26:37: Also ich glaube es hat man in... Beiderlei Hinsicht gebracht, dass es immer zwei Dinge braucht die ganz wichtig sind.
00:26:44: Zum einen ist natürlich diese persönliche Weiterentwicklung ganz wichtig und das man auch schaut auf die eigenen Glaubenssätze zum Beispiel oder auf die eigene Haltung uns zum anderen aber eben immer auch dieses Strukturen mit zu betrachten.
00:26:59: Ich denke mal manche Personen sitzen vielleicht fast in einer Organisation gefühlt auf einem Schleuderposten.
00:27:07: Ich denke aber, es ist ihr eigener Struggle.
00:27:10: Aber in Wirklichkeit sind das einfach die Strukturen, die so herausfordernd sind.
00:27:13: also eben da immer beide Aspekte gut anzuschauen und auch zu schauen okay wo sind denn wirklich die Stellräder wo wir was verändern können?
00:27:22: Es gibt ganz viele Klischees, Behauptungen zu diesem Thema.
00:27:26: ich habe dir drei mitgebracht und du sagst mir was du davon hältst!
00:27:42: Wer im Gesundheitswesen arbeitet, müsse besonders belastbar sein.
00:27:46: Ist aus meiner Sicht fatal für die ganze Branche, weil viele Personen dadurch verloren gehen oder in Spürnatschlittern, weil sie eben diese eigenen Belastungen sich nicht formulieren zu trauen.
00:28:00: Frauen seien hervorragende multitasking?
00:28:03: Ich glaube es ist manchmal zwangsweise antrainiert aber nicht per se gegeben.
00:28:09: Eigentlich könnten das beide Geschlechter, oder?
00:28:12: Teilseits eine gute Lösung um die Belastung zu reduzieren.
00:28:17: Ich glaube in Teilzeit wird Belastungen nicht reduziert sondern sie wird unverteilt von bezahlter zu unbezahlter Arbeit.
00:28:23: und für viele Frauen ist es schlichtweg gefühlt der einzige Ausweg um alles unter einen Hut zu bekommen – die ganze Fragerund- und Vereinbarkeit.
00:28:33: Und ganz zum Schluss noch die Frage an dich.
00:28:36: Was würdest du denn all jenen Menschen gern verschreiben unter Anführungszeichen, die gerade wahnsinnig unter Druck stehen?
00:28:43: Mehrfach Belastungen ausgesetzt sind und sich ständig denken okay irgendwie geht's schon aber dann ist das schon der Nacken der Schmerz oder andere Anzeichen Das Rezept
00:28:56: Den Mut zu haben, es jetzt zu verändern und es jetzt anzugehen.
00:29:05: Also wenn dieses mulmige Gefühl im Bauch schon kommt nicht zu warten dass es von selber besser wird.
00:29:10: meistens wird's von selber nicht besser sondern besser früher als später einen ersten Schritt zur einer Veränderung wagen.
00:29:17: Ein schönes Appell ganz am Schluss.
00:29:19: Lieber Doris danke für deine Zeit!
00:29:21: Herzlichen Dank fürs Gespräch.
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